Ein Haus wächst nicht wie ein Baum – und doch steht es oft genauso lange. Es ist ein Versuch, Ordnung in Raum zu bringen. Ein Aufrichten gegen das Wetter. Ein Trotz gegen das Vergehen. Die Mauern tragen nicht nur das Dach, sie tragen auch Geschichten. Hier wurde gestritten, geboren, gekocht, geliebt. Hier wuchs ein Kind auf, das später wegging – und dessen Name noch immer im Putz zittert. Ich betrete jedes Gebäude mit Respekt. Ich beginne unten – im Fundament, das manchmal feucht ist vom Grundwasser und manchmal trocken von Erinnerung. Ich gehe die Treppen hinauf wie durch Lebensjahre:
Keller, Erdgeschoss, Dach.
Und oben, unter den Ziegeln, frage ich mich:
Was hat dieses Haus getragen?
Und wie lange noch?