Wie so oft beginne ich auch diesen Text mit den Worten: „Es hätte so schön werden können…“.
Ja, es gab auch andere goldene Zeiten. Als ich allerdings in das Geschäft eingestiegen bin, sah alles andere als rosig aus. Damals, in einer Lebens- und Sinnkrise gefangen, konnte ich kaum ein standhaftes Bein auf den Arbeitsmarkt setzen. Ausgelaugt und dem Kämpfen zu müde geworden, lag die kleine Seele irgendwo zwischen Glas und Beton. Eingekärchert in einer Mietwohnung, bekämpfte man den Alltag. Es zwickte überall im Kopf. Eines Tages, des Denkens überdrüssig, entschied ich: „Es muss sich etwas ändern, damit sich etwas ändert.“ Ich überzeugte meinen Körper und Geist, etwas zu tun. Am heimischen Computer durchblätterte ich die Annoncen des hiesigen Arbeitsmarktes. Vom Leben gezeichnet, traute ich mir nichts zu und blieb doch an einer Offerte hängen. Mein damals mir noch unbekannter Chef überzeugte mich vom Fleck weg. Eine Leidenschaft wurde geboren.
Ich komme aus einem einfachen Elternhaus samt schwierigen Hintergrundverhältnissen. Alles im Leben hat halt seine Gründe und so auch mein Zustand. Im Leben sah ich mich eher wie ein Gefangener als wie ein freier Mensch. Klein, depressiv und vom Dasein überfordert. Und dieser Geist soll andere von sich überzeugen? Zum heutigen Zeitpunkt kann ich nicht mehr gänzlich nachkonstruieren, was meine Beweggründe waren. Als Fatalist bin ich mir allerdings sicher, es sollte einfach so sein.
Innerhalb kürzester Zeit musste ich in Eigenregie und unter markanten Adlersaugen des neuen Chefs, sämtliche Kenntnisse erlernen und zusätzlich anwenden können, um grundsätzlich eine seriöse Abwicklung von potentiellen Immobilien gewährleisten zu können. Viel Zeit blieb mir nicht, diese gab ich mir auch nicht. Ich studierte bin in die späten Nachtstunden über Lernmaterial, klickte mich wild durch unterschiedliche Erklärungsversuche, bis das gröbste im Bestand übergangen ist. Nach kürzestester Zeit wurde ich dann in den kalten Teich geschupst. Die ersten Eigentümer trafen mich auf ihrem ganz eigenem Lebensweg und tatsächlich blieben die ersten (sinnbildlich gesprochen) vor meiner Werbevitrine stehen.
Die ersten Gehversuche…
Ich bemerkte eine Art Euphorie nach der ersten längeren Fahrt durch das Brandenburger Land. Mein Weg führte von Spandau, Rathenow, Gransee, Kremmen, Tremmen über Ketzin nach Teltow-Fläming und zurück zur Stadt Brandenburg. Auch das östliche neben Berlin sahen meine Makleraugen. Überall schnappte ich Erfahrung, doch vorallem Wissen auf. Dabei verstand ich schnell, dass jede Lage seine Vorteile mitbringt, gleichzeitig Nachteile überwiegen können. Jede Immobilie schien dabei nicht wie andere, denn überall lebte Geschichte und vollzog sich in den meißten Fällen einzigartig. Nur eins war bei allen gleich: Erwartungen, Sorgen, Wünsche, Bedürfnisse und vorallem eine Vergangenheit. All das bringen Kunden seither unsichtbar mit zu den Besichtigungen oder Leben in diesem Konstrukt. Für beide Parteien geht es um viel, in den mir bekannten Fällen oft um alles. Denn was haben wir wichtigeres, als unsere Lebzeit hier auf Erden? Sallop und zwischendurch gefraft: Wie möchten Sie diese verbringen? Die meißten werden nach kurz Nachdenkpause eine Stichpunktliste anfertigen können, mit den wichtigsten Etappen im Leben, oder? Na klar, denn was wir woanders erleben möchten, ist uns oft klarer, wie als das „Wo“. Denn nachhause zu kommen ist ein anderes Gefühl, als woanders zu Gast zu sein. „Zuhause“, so meine ich, „ist ein Gefühl“. Es gleicht einer bestimmten Emotion, gepaart aus „Sicherheit“, „Besitz“ und „Freiheit“. Und zwar die Freiheit, hier Mensch zu sein. „Hier bin ich Mensch, hier darf ich sein“, fällt mir dazu sein. Nach schnellen Recherchen stammt dieses Zitat aus dem Werk, rund um Goehtes „Faust“.